Der Anfang: Die Ludwigsbahn und der Adler

Beeinflusst durch die technische Revolution im 19. Jahrhundert wurde auch schon früh in Deutschland über den Bau eines umfassenden Eisenbahnnetzes nachgedacht. Pressemitteilungen aus dem damals sehr fortschrittlichen England spornten den damaligen König Ludwig zum Bau eines deutschen Streckensystems an. Zu Studienzwecken entsandte der König Joseph von Baader nach England, der schon im Jahr 1833, gemeinsam mit Friedrich List, den Plan für ein gesamtdeutsches Streckenetz vorlegte. Eine Versuchsstrecke im Schloss Nymphenburg sollte zweifelnde Investoren, die aus dem fränkischen Nürnberg und Fürth stammten, von deren Effizienz überzeugen.

Nach einer Sitzung im bayerischen Landtag wurde das Projekt jedoch abgelehnt und der König widmete sich seinem Lieblingsprojekt, dem Bau des Main-Donau-Kanals. Da in den folgenden Monaten die Nachrichten über die industrielle Revolution die die Eisenbahn in England hervorrief nicht nachließen, beschlossen die Kaufleute aus Nürnberg und Fürth die Errichtung einer Eisenbahnstrecke an der damals „Chaussee“ genannten Straßenverbindung zwischen beiden Städten. Noch im Jahr 1833 wurde die königlich privilegierte Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft gegründet, die in Nürnberg und Fürth ansässig war. Widerwillig stimmte der König zu, da sein Projekt, der Kanalbau, damals stillgelegt werden musste.

Im Jahr 1834 bekam die Bahngesellschaft die nötige Konzession des Königshauses zum Bau der 6,04km langen Strecke zwischen Nürnberg und Fürth. Der König gab der Strecke seinen Namen und die Regierung wurde von ihm ermächtigt zwei Aktien zu kaufen, die aber nur symbolischen Charakter besaßen. Im Dezember 1835 wurde die Strecke feierlich eröffnet und stündlich verkehrte nun ein Zug auf der einspurigen Strecke zwischen beiden Städten. Die Züge wurden von Pferdewagen gezogen und der „Adler“, die damals einzige dampfbetriebene Lokomotive, kam täglich nur an 2 Stunden, zwischen 13 und 14 Uhr zum Einsatz. König Ludwig besuchte die Strecke erst ein Jahr später.

Die weltberühmte Dampflokomotive Adler wurde damals aus England importiert. Deutsche Lokomotiven arbeiteten nicht effektiv und konnten das Vorhaben in dem gewünschten Maß der Kaufleute nicht befriedigen. Da die Technik der Lokomotive hierzulande neu war und nicht bedient werden konnte wurde mit dem Adler gleichzeitig der Lokomotivführer importiert. Die Lokomotive des englischen Herstellers Stephenson kam in den ersten Jahren aus Kostengründen nur zweimal täglich zum Einsatz. Die aus Sachsen stammende Steinkohle war zu diesem Zeitpunkt sehr teuer. Erst im Jahre 1863 wurden die Pferdefuhrwerke ausrangiert und die Bahn mit mehreren Lokomotiven, auch aus deutscher Produktion betrieben.

Im Laufe der Jahre wurde die Ludwigsbahn immer beliebter. Viele Deutsche wollten mit der Bahn die Strecke von Nürnberg nach Fürth zurücklegen. Auch der Güterverkehr brachte in den Jahren eine hohe gleichbleibende Rendite und zeigte den Erfolg der Bahn auf. Immer mehr Kaufleute beförderten ihre Waren auf dem mittlerweile bekannten Streckenabschnitt. Eine Ausweitung der Strecke ins nahegelegene Würzburg wurde der königlich privilegierten Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft vom Staat jedoch verwehrt.

Mit dem Bau einer von Pferden gezogenen Straßenbahn bekam die Ludwigsbahn im Laufe der Jahre aber spürbare Konkurrenz. Dies wurde noch deutlicher als die Pferde im Jahr 1896 durch elektrische Triebwagen ersetzt wurden. Auch der zweigleisige Ausbau der Strecke, 3 Jahre zuvor, konnte die Stilllegung nicht mehr verhindern. Heute erinnert nur noch das Ludwig-Eisenbahn-Denkmal, zahlreiche Ausstellungen und einige Museumsfahrten mit dem Adler an die erste Strecke der deutschen Eisenbahn.

Beeinflusst durch die technische Revolution im 19. Jahrhundert wurde auch schon früh in Deutschland über den Bau eines umfassenden Eisenbahnnetzes nachgedacht.